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CALL Magazine > Arts & Design > Parov Stelar: Der King of Swing
Arts & Design

Parov Stelar: Der King of Swing

Parov Stelar ist ein Weltstar der elektronischen Musik. Über 150 Millionen Mal wurden seine Videos auf YouTube angesehen, sein Facebook-Account zählt eine Million Fans. Seine Welttournee führt ihn dieses Jahr rund um den Globus, einen Monat lang tourt er durch die USA und spielt auch beim legendären Coachella Festival mit 200.000 Besuchern. Wir besuchte den smarten Österreicher in Mallorca und sprachen mit ihm über Kunst, Design – und warum er Steve Jobs einen Korb gab.

Georg Kindel
Georg Kindel  - Chefredakteur vor 3 Jahren
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12 Minuten Lesezeit
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Lesen Sie eigentlich, was auf Facebook über Sie geschrieben steht?
Wenig. Es sind so viele Kommentare, oft hunderte oder sogar tausende, aber ab und zu schaue ich rein.

Stören Sie zwei negative Postings mehr als 500 positive?
Früher ja, inzwischen nicht mehr. Das musste ich lernen. Jeder Künstler hadert mit sich selbst, mit seiner Person und mit seinem Werk – sonst wirst du nicht Künstler. Irgendwas möchtest du ausdrücken und wenn dann fünf sagen „toll gemacht“ und einer „das ist scheiße“, dann bleibt nur Letzteres hängen.

Sie haben 2003 Ihr eigenes Label Etage Noir aus einer Notsituation heraus gegründet: Alle Plattenfirmen lehnten Ihre Musik ab.
Genau. Ich dachte mir: „Ihr seid’s richtige Deppen!“ (lacht) Ich war damals einfach so überzeugt von mir, dass ich wusste, ich mache das Richtige. Ich wusste, ich muss jetzt zwei Platten produzieren, weil eine Einzige reicht nicht. Ich brauchte sie und auch das Geld. Ich arbeitete wirklich lange dafür und es wollte sie einfach keiner haben, deshalb sagte ich mir: Ich mache es trotzdem.

Braucht man im Genre Musik Steher-Qualitäten?
Ja. Man muss 100 Prozent an sich glauben, darf sich nie vom Weg abbringen lassen. Ich liebe das Buch „Der Alchemist“ von Paolo Coelho und seine einfache Aussage: Wenn du wirklich etwas erreichen willst, bitte drehe hundert Steine um, weil vielleicht liegt unter dem Hundertersten ein Diamant, den du nie finden wirst, wenn du beim Neunundneunzigsten aufgibst. Ich glaube, es ist mir ist relativ einfach gefallen das alles durchzustehen, weil wenn man für etwas brennt, wird der Erfolg kommen.

Wieviel Anfragen für Konzerte oder Auftritte kriegen Sie im Jahr?
Viele. Ich denke, es werden so um die 600 sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Live-Komponente bei Künstlern und Musikern noch viel wichtiger wird. Was die Tonträgerverkäufe in den Goldenen 1990er-Jahren ausmachten, davon kann man heute mit Downloads, Streaming etc. nur mehr einen Bruchteil verdienen. Das ist heute deine Visitenkarte, nicht mehr. Was wirklich einen Aufschwung erlebt ist das Live-Business. Damit kann man heute noch Geld verdienen. Die Menschen wollen etwas Echtes, Reales sehen. Außerdem finde ich es interessant, dass immer mehr junge Leute wieder Vinyl-Schallplatten kaufen. Das ist die Gegenbewegung zu dieser ganzen Digitalisierung und Anonymität.

Sind Sie ein Vinyl-Fan?
Absolut. Es gibt bis heute keine Veröffentlichung von mir, die nicht auch auf Schallplatte gepresst wurde. Vinyl hat für mich als Grafiker noch ein weiteres Asset: Du kaufst dir eigentlich ein kleines Poster gleich mit dazu. Hat man früher jemanden kennengelernt, hast du dir einmal die Plattensammlung angesehen. Damit wusstest du schon, mit wem du es zu tun hast. Heute wird dir keiner seinen iPod hinlegen und sagen: „Scroll einmal durch, dann weißt du, wer ich bin.“ Vinyl trägt zur Identitätsbildung bei. Es connectet.

Gab es in der Musik Künstler, die Sie schon früh inspiriert haben? Kraftwerk?
Oh ja, sehr.

Depeche Mode?
Absolut. Elektronische Musik war das Erste, wo ich zum Fan wurde. Gerade wie die Produktionsphasen bei mir begonnen haben wollte ich wissen und verstehen, wie die das machen. Es heißt noch lange nicht, dass ein gut produziertes Stück auch emotional beim Hörer ankommt.

Sie spielen in Dutzenden Ländern Konzerte, machen aber nach zwei, drei Gigs immer wieder Pause. Will der Familienmensch Marcus Füreder lieber nach Hause zu Sohn Max?
Ja, definitiv. Bis vor vier Jahren bin ich durchgehend Non-stop von Jänner bis Dezember auf Tour gewesen, aber irgendwann habe ich auch gemerkt, ich möchte den Menschen da draußen Qualität bieten. Wenn du 150 Mal im Jahr spielst, kann mir kein Künstler erzählen, dass er beim 150. Konzert noch dieselbe Energie und Überzeugung hat. Ich möchte nie Schauspieler werden, der sagt: „Hey, Party!“, und tatsächlich fühle ich mich ganz anders.

Ein Kind verändert das Leben radikal?
Massiv. Ich dachte mir: Das ist die beste Produktion, die ich jemals gemacht habe (lacht). Es war leider eine Kaiserschnitt-Geburt – und ich bin ein Hypochonder. Ich habe draußen gewartet. Ich war eigentlich komplett verwirrt. Ich habe am Anfang mit dem allen nicht umgehen können. Ich habe nicht gewusst, was für eine intensive Liebe man zu jemandem empfinden kann. Nicht die Liebe zu einer Partnerin, sondern diese Liebe seinem Kind gegenüber ist so ganz anders, so intensiv und so stark. Und gleichzeitig beinhaltet sie auch diese Sorge, die auch so stark ist, weil man Angst hat, dass etwas sein könnte. Diese Angst verändert dein Leben massiv.

Was versuchen Sie Ihrem Sohn Max mitzugeben?
Ich denke mir, dass eine aktive Erziehung zwar gut ist, allerdings lernen Kinder am meisten von dir. Ich kann also einfach nur versuchen so zu leben, wie ich glaube, dass es richtig ist, weil mein Sohn wird das automatisch annehmen.

Reduziert Ihr Kind Ihren eigenen Egoismus?
Ich habe einen Riesen-Egoismus, weil den braucht man wahrscheinlich als Künstler. Aber ich finde es herrlich, ich finde es schön, wie sehr man das auch managen kann.

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