Arnold Schwarzenegger: Wie man ihn noch nie sah

Arnold Schwarzen­egger, wie man ihn noch nie sah. Die besten Bilder aus dem TASCHEN-Buch „Arnold“. Dazu: Sein Neffe und Anwalt Patrick Knapp-Schwarzenegger über das Phänomen Arnold.

Georg Kindel
Georg Kindel - Chefredakteur
7 Minuten Lesezeit
Spaziergang durch Venice, Kalifornien, 1980 (Foto: Albert Busek)

Das Werk ist ohne Zweifel monumental wie alles im Leben des Protagonisten, dessen atemberaubende Karriere es dokumentiert: 528 Seiten stark, im Großformat 27 x 37 Zentimeter, 4,3 Kilo schwer mit über 700 Abbildungen, schildert „Arnold“ (TASCHEN-Verlag, EUR 125) den Aufstieg Arnold Schwarzeneggers von Thal bei Graz über Hollywood bis ins California State Capitol in Sacramento.  

Der TASCHEN Verlag hat sich seit seiner Gründung 1980 zu einem der weltweit renommiertesten Kunstbuchverlage entwickelt und steht für Bücher, die selbst zu Designobjekten werden. Gründer Benedikt Taschen verfolgt die Idee, hochwertige Kunst-, Architektur-, Fotografie- und Popkultur-Bände einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Auch die Familie Schwarzenegger gehört zu den Sammlern der TASCHEN-Bücher. Das neue Schwarzenegger-Buch, das es bisher nur in einer limitierten Collector’s Edition gab, ist ein Rückblick auf ein außer­ordentliches Leben. 

Arnold Schwarzenegger: „Der Wilde“, 1985 (Foto: Greg Gorman/TASCHEN)
Arnold Schwarzenegger: „Der Wilde“, 1985 (Foto: Greg Gorman/TASCHEN)
Arnold: Fotoshooting für Total Film Magazine, 1999 (Foto: Sante D’Orazio/TASCHEN)
Arnold: Fotoshooting für Total Film Magazine, 1999 (Foto: Sante D’Orazio/TASCHEN)
528 Seiten stark, im Großformat 27 x 37 Zentimeter, 4,3 Kilo schwer mit über 700 Abbildungen: „Arnold“ (TASCHEN-Verlag, EUR 125)

Für CALL erinnert sich sein Neffe und Anwalt Patrick Knapp-Schwarzenegger, 58, an den Aufstieg seines Onkels. CALL bringt eine Hommage an einen großen Österreicher in Hollywood:  

Gedanken über seinen Onkel Arnold: Patrick Knapp-Schwarzenegger, CALL Magazine, 2024 (Foto: Rainer Hosch für CALL)
Gedanken über seinen Onkel Arnold: Patrick Knapp-Schwarzenegger, CALL Magazine, 2024 (Foto: Rainer Hosch für CALL)

Arnold verschenkte nichts ohne eine Lektion. Unser Deal lautete: Ich sollte Englisch lernen. Für jeden Brief, den ich ihm auf Englisch schrieb, schickte er mir 20 Dollar. Das war eine sehr frühe Form seiner Motivationstechnik.

Die meisten Menschen kennen ihn als Bodybuilder, Hollywoodstar, Terminator
oder Gouverneur von Kalifornien. Sie kennen die Bilder, die Filmpremieren, die Wahlkampfauftritte und die berühmten Sätze. Ich kenne auch eine andere Seite von ihm: den Familienmenschen, Mentor und Freund. Den Mann, der mich als jungen Menschen ermutigte, groß zu denken – und der mir schließlich half, meinen Traum von Amerika zu verwirklichen.

Mein eigener Weg begann weit entfernt vom Glanz Hollywoods. Mein Vater Meinhard, Arnolds älterer Bruder, kam bei einem Unfall ums Leben, als ich drei Jahre alt war. Ich habe nur eine einzige konkrete Erinnerung an ihn: Er kam mit meiner Mutter ins Wohnzimmer und brachte mir ein Spielzeugflugzeug. Es ist ein kleines Bild, nur wenige Sekunden meines Lebens, und doch habe ich es nie vergessen. 

Nach seinem Tod wurde ich von einer ganzen Familie großgezogen. Meine Mutter, meine Großeltern, meine Onkel und Tanten – die Knapps und die Schwarzeneggers – rückten zusammen. „It takes a village“, sagt man in Amerika. Bei mir war es tatsächlich so.

Ich wuchs in Kufstein auf. Wir waren eine Arbeiterfamilie und hatten nicht viel. Meine Großeltern besaßen kein Auto. Ich erinnere mich noch an unseren ersten Schwarz-Weiß-Fernseher mit zwei Programmen. Nach der Schule ging ich hinaus. Wir spielten Fußball, liefen durch den Wald, kletterten in Höhlen und sollten am Abend wieder zu Hause sein. Es war eine einfache, schöne Kindheit.

Pakete aus Kalifornien. Arnold lebte damals bereits in Amerika und baute dort Schritt für Schritt sein außer­gewöhnliches Leben auf. Für die Welt wurde er immer berühmter. Für mich blieb er mein Onkel – auch wenn die Pakete, die aus Kalifornien kamen, eine besondere Faszination hatten. Darin waren amerikanische T-Shirts, Proteinpulver und andere Dinge, die für einen Jungen aus Europa nach einer völlig anderen Welt rochen. Doch Arnold verschenkte nichts ohne eine Lektion. Unser Deal lautete: Ich sollte Englisch lernen. Für jeden Brief, den ich ihm auf Englisch schrieb, schickte er mir 20 Dollar. Das war eine sehr frühe Form seiner Motivationstechnik. Er wusste, dass man Menschen nicht nur sagen darf, was sie tun sollen. Man muss ihnen ein Ziel geben und ihnen zeigen, warum es sich lohnt, dranzubleiben.

Fitness-Werbefoto, Garmisch, 1967 (Foto: Albert Busek/TASCHEN)
Fitness-Werbefoto, Garmisch, 1967 (Foto: Albert Busek/TASCHEN)
Arnold Schwarzenegger, München, 1967 (Foto: Rolf Hayo/TASCHEN)
Arnold Schwarzenegger, München, 1967 (Foto: Rolf Hayo/TASCHEN)

Mit 15 Jahren entstand in mir der Traum, eines Tages in den USA zu studieren. Amerika
war für mich Freiheit, Möglichkeit und Abenteuer. Arnold hatte bewiesen, dass ein Mensch aus einfachen österreichischen Verhältnissen in diesem Land etwas aufbauen konnte, das zuvor völlig unmöglich erschienen war. Sein Leben war der sichtbare Beweis dafür, dass Herkunft nicht über Zukunft entscheiden muss. Als ich 19 Jahre alt war, half er mir, nach Los Angeles zu kommen, und finanzierte mein Studium. Diese Unterstützung hat mein Leben verändert. Das sage ich mit großer Dankbarkeit, aber auch mit dem Bewusstsein, dass Arnold nie erwartet hätte, dass ich mich darauf ausruhe. Er öffnete eine Tür. Hindurchgehen musste ich selbst.

Nach Los Angeles. Ich kam 1987 nach dem Abitur in Lissabon nach L.A. und begann an der UCLA Volkswirtschaft und Politologie zu studieren. Vom ersten Moment an hatte ich das Gefühl, im Zentrum des Universums angekommen zu sein. Alles war größer, schneller,  aufregender. Filmstars, die man zuvor nur aus dem Fernsehen kannte, begegneten einem plötzlich auf der Straße. Gleichzeitig war ich ein 19-jähriger Junge aus Europa, der sich an eine neue Sprache, Kultur und ein völlig anderes Umfeld gewöhnen musste. Ich verwendete damals zunächst nur den Familiennamen meiner Mutter: Knapp. Mit dem Namen Schwarzenegger waren schon zu dieser Zeit enorme Privilegien verbunden, aber auch Erwartungen und öffentlicher Druck. Für meine Entwicklung war es wichtig, nicht überall als „der Neffe von“ wahrgenommen zu werden. Ich wollte herausfinden, wer ich war und was ich selbst erreichen konnte.

Muscle Beach, Santa Monica, 1970 (Foto: Artie Zeller/TASCHEN)
Muscle Beach, Santa Monica, 1970 (Foto: Artie Zeller/TASCHEN)

Während meiner Studienzeit verbrachte ich fast täglich Zeit mit Arnold. Wir trainierten, redeten, lachten und erlebten Los Angeles gemeinsam. Arnold nahm mich nicht nur in sein Leben auf, er vermittelte mir auch eine Einstellung, die mich bis heute prägt: Setze dir ein klares Ziel, entwickle einen Plan und arbeite jeden Tag daran.

Klare Ziele und ein Plan. Während meiner Studienzeit verbrachte ich fast täglich Zeit mit Arnold. Wir trainierten, redeten, lachten und erlebten Los Angeles gemeinsam. Arnold nahm mich nicht nur in sein Leben auf, er vermittelte mir auch eine Einstellung, die mich bis heute prägt: Setze dir ein klares Ziel, entwickle einen Plan und arbeite jeden Tag daran. Lass dir von niemandem erklären, warum etwas nicht möglich ist. Er selbst hatte nach diesem Prinzip mehrere scheinbar unvereinbare Karrieren aufgebaut. Er wollte der beste Bodybuilder der Welt werden. Danach wollte er in Hollywood erfolgreich sein – trotz seines Akzents, seines Namens und eines Körpers, von dem viele Studiobosse glaubten, er sei für einen Hauptdarsteller ungeeignet. Später ging er in die Politik und wurde Gouverneur von Kalifornien

Ignoriere die Neinsager. Arnold hat in seinem Leben unzählige Neins gehört. Entscheidend war, dass er keines davon akzeptierte. Diese Hartnäckigkeit ist auch im Entertainment-Business unverzichtbar. Wer in Holly­wood bestehen will, muss tausendmal ein Nein hören können und trotzdem an sich glauben. Talent allein reicht nicht. Man braucht Disziplin, Arbeitsmoral, Widerstandskraft und die Fähigkeit, nach einer Niederlage am nächsten Morgen wieder aufzustehen.

Anfangs wusste ich noch nicht, welchen Beruf ich ergreifen wollte. Ich dachte über eine Karriere an der Wall Street nach, arbeitete eine Zeit lang im Kongress und interessierte mich für Politik. Im Laufe meines Studiums erkannte ich, welche Möglichkeiten eine juristische Ausbildung eröffnet. In unseren Familien hatte es zuvor kaum Akademiker gegeben. Bei meinen Knapp-Großeltern war nach der vierten Klasse Schluss. Ich war der Erste, dem ein höheres Studium ermöglicht wurde. Menschen wie Mahatma Gandhi, Nelson Mandela oder Abraham Lincoln faszinierten mich. Sie waren Juristen, kamen nicht aus privilegierten Verhältnissen und veränderten durch ihre Ausbildung und ihre Überzeugungen die Welt. 

Mit Mick Jagger, Hotel du Cap, Antibes, 1990 (Foto: Jean Pigozzi/TASCHEN)
Mit Mick Jagger, Hotel du Cap, Antibes, 1990 (Foto: Jean Pigozzi/TASCHEN)

1995 schloss ich mein Jusstudium ab. Als junger Anwalt bekam ich früh Einblicke in einige der größten Filmgeschäfte der Branche. Unsere Kanzlei vertrat George Lucas. Im Zusammenhang mit den Verhandlungen zu den „Star Wars“-Episoden vier bis sechs wurde ich damit beauftragt, die ersten drei Filme zusammenzufassen. Mein Beitrag war überschaubar, doch für einen frischgebackenen Anwalt war es unglaublich spannend, Teil einer solchen Welt zu sein. Später durfte ich die Karrieren internationaler Stars begleiten und Deals für Persönlichkeiten wie Nicolas Cage, Jason Statham, Jackie Chan, Dolph Lundgren oder Conor McGregor verhandeln. Im Entertainment Law geht es dabei um weit mehr als um Verträge. Wir helfen, eine Karriere und eine Marke aufzubauen. Wir beschäftigen uns mit Filmprojekten, Finanzierung, Marketing, Presse, Werbung und langfristiger Strategie. Ein guter Entertainment-Anwalt muss Menschen verstehen. Jeder Klient ist anders. Ein Anwalt braucht analytische Stärke, Geduld, Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen. Vor allem aber braucht er Integrität. Man benötigt ein dickes Fell und manchmal auch Ellbogen. Trotzdem muss es eine Linie geben, die man nicht überschreitet. 

Einer der klügsten Menschen. Dass mein Onkel irgendwann auch mein Klient wurde, war eine besondere Entwicklung unserer Beziehung. Arnold ist für mich der beste Mandant, den man haben kann. Er ist einer der klügsten Menschen, die ich je getroffen habe. Er verfügt über außergewöhnliche Instinkte und einen Geschäftssinn, den viele früher unterschätzt haben.

Die Öffentlichkeit sieht häufig den Schauspieler. Ich erlebe seit Jahrzehnten auch den Unternehmer und Strategen, vor allem aber den Menschen. Arnold versteht Marken, Menschen, Timing und den Wert einer langfristigen Vision. Er weiß, wann man ein Risiko eingehen sollte – und wann nicht. Bei „Terminator 3“ erreichte seine Gage 30 Millionen Dollar, damals ein Meilenstein. Bei anderen Projekten waren die Profitbeteiligungen noch wesentlich wertvoller. Solche Deals entstehen nicht allein durch einen hohen Marktwert. Sie setzen voraus, dass ein Schauspieler sein eigenes Potenzial versteht und bereit ist, auf langfristigen Erfolg zu setzen. Ich habe ihn bei vielen Film-, Werbe- und Markenprojekten begleitet, darunter auch seine Kooperation mit BMW. Noch heute bin ich mit ihm unterwegs. Dabei ist es wichtig, unsere beiden Beziehungen zu trennen. Es gibt Zeiten, in denen wir über Verträge, Produktionen und Strategien sprechen. Und es gibt Momente, in denen wir einfach Familie sind und Zeit miteinander verbringen. 

Dass mein Onkel irgendwann auch mein Klient wurde, war eine besondere Entwicklung unserer Beziehung. Arnold ist für mich der beste Mandant, den man haben kann. Er ist einer der klügsten Menschen, die ich je getroffen habe.

Vor dem Lincoln Memorial, Washington DC, 2009 (Foto: Peter Grigsby/TASCHEN)
Vor dem Lincoln Memorial, Washington DC, 2009 (Foto: Peter Grigsby/TASCHEN)
Mit Bill Clinton, Saban Forum Jerusalem, 2009 (Foto: Justin Short/TASCHEN)
Mit Bill Clinton, Saban Forum Jerusalem, 2009 (Foto: Justin Short/TASCHEN)

Diese gemeinsame Zeit bedeutet mir viel. Unsere Beziehung hat sich über die Jahrzehnte verändert. Als junger Mann blickte ich zu meinem Onkel auf, der mir eine völlig neue Welt eröffnete. Später durfte ich ihn als Anwalt beraten und bei wichtigen Entscheidungen begleiten. Heute ist er zugleich Onkel, Klient, Mentor, Trainingspartner und Freund. Von Arnold habe ich gelernt, dass Erfolg nicht in erster Linie eine Frage des Talents ist. Erfolg beginnt mit einer Vision. Danach kommen Vorbereitung, Disziplin und die Bereitschaft, länger durchzuhalten als andere. Er hat mir aber auch gezeigt, dass Erfolg eine Verantwortung mit sich bringt. Wer selbst Unterstützung erhalten hat, sollte irgendwann anderen helfen, ihre Chance zu ergreifen.

Arnold Schwarzenegger mit seinem Neffen und Anwalt Patrick Knapp-Schwarzenegger (Foto: privat)

Ich habe heute selbst vier Kinder. Wenn ich sie beobachte, denke ich manchmal an den Jungen zurück, der in Kufstein durch den Wald lief und von Amerika träumte. Ich weiß, wie wertvoll es ist, wenn ein junger Mensch jemanden hat, der an ihn glaubt. Jemanden, der nicht alle Hindernisse beseitigt, aber sagt: Du kannst es schaffen. Jetzt arbeite dafür. Arnold hat mir diese Chance gegeben. Er hat mich nach Amerika geholt, meine Ausbildung ermöglicht und mich gleichzeitig gelehrt, dass ein offenes Tor noch kein gewonnenes Spiel ist. Vielleicht ist das eine seiner wichtigsten Botschaften: Warte nicht darauf, dass jemand anderes dein Leben gestaltet. Definiere dein Ziel und übernimm Verantwortung. 

Patrick Knapp-Schwarzenegger mit seiner Frau Bliss Ellis und seinen Kindern Valentina, Franziska, Leonardo und Mario (Foto: Knapp-Schwarzenegger privat)
Patrick Knapp-Schwarzenegger mit seiner Frau Bliss Ellis und seinen Kindern Valentina, Franziska, Leonardo und Mario (Foto: Knapp-Schwarzenegger privat)

Für die Welt ist Arnold Schwarzenegger eine Ikone. Für mich ist er der Mann, der aus der Ferne Pakete nach Europa schickte und einem Jungen 20 Dollar für einen englischen Brief versprach. Der Mann, der später eine Tür nach Los Angeles öffnete und damit mein Leben veränderte. Ich hatte Glück. Doch Glück ist für mich auch eine Form von Karma: Man muss etwas geben, um etwas zurückzubekommen. Arnold hat mir viel gegeben – nicht nur materielle Unterstützung, sondern Vertrauen, Orientierung und die Überzeugung, dass man aus einer Arbeiterfamilie seinen Platz in der Welt finden kann. Was man aus dieser Chance macht, liegt bei einem selbst.

Arnold Schwarzenegger mit seinem Esel Lulu, 2021 (Foto: Tracy Nguyen/TASCHEN)
Arnold Schwarzenegger mit seinem Esel Lulu, 2021 (Foto: Tracy Nguyen/TASCHEN)

Wenn nicht anders angeführt stammen die Bilder dieser Story aus dem TASCHEN-Buch „Arnold“. Wir danken dem TASCHEN-Verlag für die Möglichkeit, diese im Rahmen der Story veröffentlichen zu dürfen. 

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Georg Kindel ist Chefredakteur von CALL.