Kim Cattrall: Hollywoods starke Frau

Hollywoodstar Kim Cattrall wurde als erste Frau bei der Premiere des CALL Film Festivals 2026 in Bad Hofgastein mit dem JANE Award ausgezeichnet. Und überraschte mit einer Dankesrede auf Deutsch. Ein Porträt von Elisabeth Sereda.

Elisabeth Sereda
Elisabeth Sereda - US-Korrespondentin CALL
4 Minuten Lesezeit
Kim Cattrall mit ihrem Ehemann Russell Thomas beim CALL Film Festival in Bad Hofgastein

Es gibt Schauspielerin­nen, die eine Rolle spielen. Und es gibt Kim Cattrall, die eine ganze Ära prägte. Über Jahrzehnte hinweg bewies sie, dass wahre Vielseitigkeit eine Haltung ist: die konsequente Weigerung, sich auf ein einziges Bild reduzieren zu lassen. Von der selbstbewussten Samantha Jones aus dem Serienhit „Sex and the City“, die eine ganze Generation von Frauen lehrte, ihre Sexualität ohne Entschuldigung zu leben, bis hin zu leiseren, komplexeren Figuren wie die zweifelnde Monica Velour, eine alternde Erotikdarstellerin, die gegen den sozialen Abstieg ankämpft, hat sich Cattrall nie gescheut, Klischees zu durchbrechen. Doch was sie wirklich auszeichnet, ist etwas, das über die Leinwand hinausreicht: eine bemerkenswerte Selbstbestimmung, die sie sich immer wieder erkämpfte – auch dann, wenn es unbequem war, Nein zu sagen.

Selbstbewusst in Holly­wood. In einer Branche, die Frauen ab einem bestimmten Alter gerne unsichtbar macht, hat sie ihren Platz mit Würde behauptet, ohne sich zu verbiegen. Ihre Rollenvielfalt ist dabei nicht nur Ausdruck künstlerischer Neugier, sondern auch ein leiser, beharrlicher Widerstand gegen Schubladen.

Heute erzählt Kim Cattrall die Geschichte einer Künstlerin, die sich ihre Freiheit nie hat nehmen lassen.

Kim Cattrall und ihr Ehemann Russell Thomas mit Elisabeth Sereda (g.l.), CALL Film Festival-Präsident Oliver Hirschbiegel und Christina Zappella-Kindel (g.r.)
Kim Cattrall und ihr Ehemann Russell Thomas mit Elisabeth Sereda (g.l.), CALL Film Festival-Präsident Oliver Hirschbiegel und Christina Zappella-Kindel (g.r.)

Ich freue mich sehr über diesen JANE Award. Ich hoffe sehr, dass ich nächstes Jahr wieder beim Festival dabei sein kann.

Starke Janes. Auch aus diesem Grund wurde sie als erste Schauspielerin mit dem JANE Award des CALL Film Festivals 2026 ausgezeichnet. Der Preis verdankt seinen Namen der Inspiration von Jane Goodall, Jane Fonda und Jane Birkin. Kim Cattrall vereint die Stärken aller drei in sich.

Zum CALL Film Festival kam sie ohne Entourage, brachte ihren sympathischen Ehemann Russell Thomas mit, der alle mit seinem britischen Humor unterhielt, und ihren Lieblingsfilm „Meet Monica Velour“. Sie war zugänglich, umgänglich und allürenfrei. Und hielt ihre Dankesrede bei der Gala in lupenreinem Deutsch. Nicht phonetisch einstudiert, sondern gelebt in den Jahren, wo ihr Wohnsitz – bedingt durch einen Ex-Ehemann – Frankfurt war: „Ich freue mich sehr über diesen JANE Award. Es ist eine große Ehre für mich, diesen Preis heute zu bekommen. Ich liebe meinen Beruf und ich habe großes Glück, mit vielen wunderbaren Menschen zusammenzuarbeiten. Dieser Preis bedeutet mir sehr viel.“ Und sie schließt mit einem Satz, der das Publikum im Kursaal zu begeisterten Jubelstürmen brachte: „Ich hoffe sehr, dass ich nächstes Jahr zum zweiten Mal bei diesem Festival dabei sein kann.“

Mit Ehemann Russell Thomas beim CALL Film-Festival-Get-together im Hirsch & Maus auf der Schlossalm in 2.066 Metern Seehöhe
Mit Ehemann Russell Thomas beim CALL Film-Festival-Get-together im Hirsch & Maus auf der Schlossalm in 2.066 Metern Seehöhe

Erster Regisseur aus Österreich. Kim Cattrall wurde in Liverpool geboren, wuchs in Kanada auf und begann ihre Karriere in den USA. Die innere Stärke, das Sich-nicht-brechen-Lassen, scheint ihr in die Wiege gelegt worden zu sein. Mit gerade einmal 17 Jahren, frisch von der Schauspielschule, drehte sie ihren allerersten Film, „Rosebud“, unter der Regie des nach Hollywood emigrierten österreichischen Regisseurs Otto Preminger. In ihrer CALL Film Festival-Masterclass, für die sie eigens einen neuen Begriff geprägt hat – die „Mastress Class“ –, denkt sie zurück: „Meine wichtigste Erinnerung an diesen Film ist, dass ich ihn überlebt habe. Es war furchteinflößend. Otto Preminger war ein Regisseur mit einem ausgesprochen schlechten Temperament. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem er wieder einmal unglaublich wütend war. Meine Kollegin drehte sich zu mir um und sagte: ‚Je mehr er schreit, desto stärker werde ich.‘ Ich dachte nur: Das merke ich mir. Diese Kollegin war Isabelle Huppert. Für diese Lektion fürs Leben bin ich ihr ewig dankbar. Wir sind heute noch Freunde.“

Charlie’s Angels & Colombo. Danach folgten Gastrollen in praktisch jeder TV-Serie, die heute noch als legendär gilt – darunter „Starsky & Hutch“, „Drei Engel für Charlie“ und „Columbo“. Hollywoodlegende Jack Lemmon, mit dem sie den Film „Ein Sommer in Manhattan“ drehte, gab ihr eine Weisheit mit auf den Weg: „Such die Projekte, die dir Angst machen. Nur so wirst du wachsen.“ Ein Ratschlag, den sie bis heute beherzigt.

Auch der große Regisseur Brian De Palma („Scarface“, „Mission: Impossible“), unter dessen Regie sie „Fegefeuer der Eitelkeiten“ mit Tom Hanks und Bruce Willis  drehte, bestärkte sie in dieser Haltung.

Mit Elisabeth Sereda bei einer Masterclass im Kursaal Bad Hofgastein
Mit Elisabeth Sereda bei einer Masterclass im Kursaal Bad Hofgastein

Ich habe absolut nichts mit Samantha gemeinsam. Ich bin eine Serien-Monogamistin – Samantha nicht!

Weltstar mit „Mannequin“. Zum Weltstar machte sie schließlich die Geschichte einer Schaufensterpuppe, die lebendig wird: „Mannequin“ ist bis heute ein Kultfilm. In unserer Mastress Class fragte ein junges Mädchen aus Bad Hofgastein, welche Botschaft Cattrall jungen Frauen mit auf den Weg geben würde. Sie strahlte bei ihrer Antwort: „Bleibt so lange Mädchen, wie ihr könnt. Denn Frau werdet ihr noch früh genug – und das für den Rest eures Lebens.“ Dass viele Frauen sie ansprachen, weil sie so sein wollten wie Samantha, konnte sie nie nachvollziehen. Wie viel Ähnlichkeit zwischen Samantha und ihr bestehen? „Gar keine. Absolut keine. Ich bin eine Serien-Monogamistin, Samantha nicht!“ 

Say „No!“. Von der Bedeutung des Wortes „Nein“ spricht Kim Cattrall auch in Bad Hofgastein und spielt damit auf das Ende von „Sex and the City“ an. Dass sie nicht mehr weitermachen wollte, haben ihr einige ehemalige Serienkolleginnen bis heute nicht verziehen. Eine Rückkehr aus rein finanziellen Gründen schloss sie kategorisch aus: „Als Frau ‚Nein‘ zu sagen, erfordert Mut. Denn ich glaube, dass unsere Gesellschaft noch immer nicht vollständig akzeptiert hat, dass Frauen ihre eigenen Entscheidungen treffen.“ Es ist daher kein Zufall, dass sie als Lieblingsfilm ihrer Karriere „Meet Monica Velour“ wählte und beim CALL Film Festival zeigte: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einer alternden Pornodarstellerin und einem jungen Fan. Das Budget war minimal, und Cattrall musste für die Rolle 12 Kilo zunehmen: „Ich empfand großen Respekt und tiefes Mitgefühl für sie, weil ihr im Leben so wenige Möglichkeiten geblieben waren. Ich musste diese Rolle spielen.“

Sie hat ihren Platz mit Würde behauptet – auch dann, wenn es unbequem war, Nein zu sagen.

Spontane Bilder auf der Schlossalm auf 2.066 Meter Seehöhe: Kim Cattrall mit Journalistin Gini Brenner, Designerin Niki Osl, den CALL Film Festival-Gründerinnen Christina Zappella-Kindel und Elisabeth Sereda und Schauspielerin Clara Lou Kindel (v.l.n.r.)
Spontane Bilder auf der Schlossalm auf 2.066 Meter Seehöhe: Kim Cattrall mit Journalistin Gini Brenner, Designerin Niki Osl, den CALL Film Festival-Gründerinnen Christina Zappella-Kindel und Elisabeth Sereda und Schauspielerin Clara Lou Kindel (v.l.n.r.)

Im August wird Kim Cattrall 70 – ihr Alter hat sie nie verschwiegen: „Ich betrachte das Altern als Geschenk. Ich genieße es sehr, Rollen zu spielen, die mir in meinen 50ern versagt blieben. Ich möchte das Älterwerden nicht bekämpfen, sondern willkommen heißen.“ In Bad Hofgastein war all das mit Händen zu greifen: strahlende Lebensfreude, Humor und ein Gesicht, das fast ohne Make-up auskam. Innerlich wie äußerlich – Kim Cattrall bleibt ein Vorbild.

Bei der JANE Awards- Gala mit Elisabeth Sereda auf der Bühne des Kursaals Bad Hofgastein: Dankesrede auf Deutsch oder Englisch? Kim Cattrall hielt sie auf Deutsch
Bei der JANE Awards- Gala mit Elisabeth Sereda auf der Bühne des Kursaals Bad Hofgastein: Dankesrede auf Deutsch oder Englisch? Kim Cattrall hielt sie auf Deutsch

Kim Cattrall beim CALL Film Festival: Jetzt kostenlos auf JOYN streamen

Ab sofort können alle drei Folgen der „Sofatalks“ vom CALL Film Festival in Bad Hofgastein, moderiert von TV-Star Lilian Klebow, auf JOYN in Österreich und Deutschland kostenlos gestreamt werden. 

In Folge 1 und 2 finden Sie Interviews mit Kim Cattrall, Ausschnitte aus ihrer Masterclass und die Verleihung des JANE Awards 2026 an sie. 

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US-Korrespondentin CALL
Elisabeth Sereda, Mitglied der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), ist US-Korrespondentin von CALL. Sie ist Mitglied des Board of Directors und der Jury, die jährlich die "Golden Globes" verleiht.