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CALL Magazine > Entertainment > Pamela Anderson: Die ungeschminkte Wahrheit
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Pamela Anderson: Die ungeschminkte Wahrheit

Als Popkulturikone der 1990er-Jahre wurde Pamela Anderson lange nicht ernstgenommen. Doch dann änderte sich ihr Leben radikal. Mit 57 feiert sie kein Comeback, sondern eine Wiedergeburt. Wir trafen die Kanadierin zum CALL-Interview über den langen Weg zurück an die Spitze.

Elisabeth Sereda
Elisabeth Sereda  - US-Korrespondentin CALL vor 2 Stunden
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4 Minuten Lesezeit
Pamela Anderson als Testimonial für Pandora bei den SAG Awards 2025 (Foto: Pandora/Getty Images, mit freundlicher Genehmigung durch Pandora)
Pamela Anderson als Testimonial für Pandora bei den SAG Awards 2025 (Foto: Pandora/Getty Images, mit freundlicher Genehmigung durch Pandora)
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Es war ein roter Badeanzug, der sie als Pop-Ikone in den Gehirnen der vor allem männlichen Fans zementierte. Wer nicht schon beim Durchblättern der „Playboy“-Ausgabe vom Oktober 1989 Lustgefühle entwickelt hatte, bekam sie vor dem Fernseher, wenn die hübsche Blondine als Lifeguard Touristen rettete. Sie fühlte sich immer missverstanden: „Die Leute kapierten damals in den ‚Playboy‘-Tagen nicht, dass ich im Samuel French Bookshop saß und Stücke von Tennessee Williams und Eugene O’Neill las. Ich fühlte mich von diesen Werken angezogen – obwohl ich nicht wusste, wie ich dorthin gelangen oder was es erfordern würde, solche Rollen zu spielen. Ich kannte niemanden in meinem Umfeld oder in meiner Familie, der auch nur annähernd etwas Künstlerisches machte, geschweige denn Schauspielen. Für mich ging es aber immer um Selbstentfaltung“, blickt Pamela Anderson im CALL-Interview auf eine prägende Zeit ihres Lebens zurück. 

Pamela Anderson: Durch ihre „Baywatch“-Rolle wurde sie zur Popkulturikone der 1990er-Jahre (Foto: FremantleMedia International)
Pamela Anderson: Durch ihre „Baywatch“-Rolle wurde sie zur Popkulturikone der 1990er-Jahre (Foto: FremantleMedia International)

Gefangen im Image. Sich selbst zu verwirklichen, zu zeigen, wer sie ist, wozu sie fähig ist, dazu bekam sie kaum Möglichkeiten. In den 1990ern war Pamela Anderson als „Baywatch Babe“ berühmt, respektiert wurde sie jedoch nicht. Und als sie 1995 nach zwei Monaten Beziehung Mötley-Crüe-Drummer Tommy Lee heiratete und ein Sexvideo aus der Villa des ungleichen Paares gestohlen wurde, war sie nur eins: eine „Witzfigur“, ­­die die Medien mit grausamer und sexistischer Schadenfreude fertigmachten. Ihr Leben wurde zum Meme, bevor es diesen Begriff gab. Ein Running Gag, den Talkshowmoderatoren nächtlich wiederholten, in verschiedenen Versionen, aber immer mit demselben Ziel: den Star, denn sie war einer, auf ihre – der Moderatoren eigene – Eitelkeit zu reduzieren und die Lacher des Publikums auf ihrer Seite zu haben. 

Zwischen Sex-Tape & drogensüchtigem Ehemann. Die Frau, der Mensch dahinter litt Seelenqualen. Sie war die im wahrsten Sinn des Wortes geprügelte Ehefrau eines schwer drogensüchtigen und gewalttätigen Rockstars, verlor ihr erstes Kind nicht hinter geschlossenen Türen, sondern vor den Augen der Paparazzi. Ihr gesamtes Leben war eine einzige Flucht vor den Kameras, ihre Privatsphäre nicht existent. Das gestohlene Sexvideo und der darauffolgende öffentliche Gerichtsprozess sorgten für den endgültige Zusammenbruch. Dass es ausgerechnet Bob Guccione war, der das Video gekauft und veröffentlicht hatte, war pure Ironie: Der „Penthouse“-Her­ausgeber war der größte Konkurrent ihres Entdeckers Hugh Hefner. Nachdem Tommy Lee im Gefängnis landete und sie sich von ihm scheiden ließ, nahm sie die gemeinsamen zwei Söhne Brandon und Dylan und versuchte ihr Leben und ihre Karriere in den Griff zu bekommen. Eine Kurzbeziehung mit Kid Rock war dafür kontraproduktiv, sie begann sich zurückzuziehen. Anderson übersiedelte in ihre Heimat Kanada, engagierte sich als Tierschützerin und Umweltaktivistin und bekam eine Koch- und Lifestyleshow im kanadischen Fernsehen.

Die große Chance. Anfang 2024 nahm ihr Leben eine wundersame Wendung. Regisseurin Gia Coppola schickte ein Drehbuch mit dem Titel „The Last Showgirl“ an Andersons Agenten, das dieser gleich mal überging. Weil ihr Sohn in der Agentur jobbte, gelangte es jedoch in ihre Hände. Und die Schauspielerin spürte intuitiv, dass dieser Film ihr Leben verändern würde: „Es ist eine ­Geschichte, die wirklich berührt: die Geschichte einer Frau, die unterschätzt und abgeschrieben wurde und sich nun auf ihre eigene Weise zurückkämpft. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge, führt ein chaotisches, aber wunderschönes Leben“, sah sie sofort die Parallelen zu ihrer eigenen Story. Gia Coppola vergleicht ihre Hauptdarstellerin mit Marilyn Monroe, was Anderson ein schmerzhaftes Lächeln entlockt: „Marilyn war eine unglaubliche Schauspielerin, die nicht immer die Chancen bekam, die sie verdient hätte. Das kann ich gut nachvollziehen. Für mich war es eine Erleichterung, diesen Film zu machen. Es war, als hätte ich dieses Geheimnis so lange mit mir herumgetragen, dass ich besser bin, als man mir nachsagt.“

Pamela Anderson mit einem Schmuck-Ensemble aus der Pandora Lab-Grown-Diamonds-Kollektion  bei den BAFTA Film Awards 2025 (Foto: Pandora/Marco Bahler)
Pamela Anderson mit einem Schmuck-Ensemble aus der Pandora Lab-Grown-Diamonds-Kollektion bei den BAFTA Film Awards 2025 (Foto: Pandora/Marco Bahler)

Jubelhymnen am Broadway. Für das Mädchen, das im kanadischen Lady­smith, British Columbia, geboren und während eines Fußballspiels entdeckt wurde, als die Kamera eine Nahaufnahme von ihr auf den Stadionscreen projizierte, begann das neue Lebenskapitel 2022 mit einem Engagement am Broadway, wo sie für ihren Auftritt als Roxy Hart in „Chicago“ euphorische Kritiken bekam. Ein Jahr später brachte sie ihre Memoiren „Love, Pamela“ heraus. Das Buch wurde ein Bestseller und die Basis für eine Netflix-Doku, produziert von ihrem Sohn Brandon Lee. Ihre Filmkarriere war das Einzige, das noch fehlte: „Es bedeutet mir unglaublich viel, dass Gia Coppola mutig genug war, in mir etwas zu sehen. Ich habe Freunde, die Künstler sind, wie Jeff Koons und Richard Prince, und all diese großartigen Menschen, die mich lieben und schätzen – aber nie wirklich Leute aus meiner Branche, zu der ich eine Hassliebe habe, aber eine, in der die Liebe überwiegt. Ich sage immer, es ist ein Segen und ein Fluch, Teil der Popkultur zu sein. Es bedeutet auch, dass man immer erst beweisen muss, dass man mehr ist als nur ein Bild.“

Die Schauspielerin stürzte sich auf die Herausforderung von „The Last Show­girl“: „Ich glaube nicht, dass die Leute wissen, wie schwer diese Kostüme wirklich sind. Sie wiegen etwa 80 Pfund! Normalerweise tragen Showgirls sie nur für ein paar Minuten, aber wir hatten sie den ganzen Tag an. Die Frau, die ich spielte, trägt das Gewicht dieser Strasssteine genau wie sie das auf ihrer Seele trägt.“

Die Parallelen zu ihrem eigenen Leben sind offensichtlich: „Wir alle werden irgendwann unseren erwachsenen Kindern gegenüberstehen und um Vergebung bitten“, sagt Anderson im CALL-Gespräch. „Wir tun einfach unser Bestes. Und ich denke, das ist das Ziel, die Botschaft hier: Man entscheidet sich für seine Arbeit, man entscheidet sich für seine Kinder. Ich habe die Dinge ein bisschen anders gemacht als Shelly im Film, aber ich kann mich damit identifizieren, herauszufinden, was das Beste für das eigene Kind ist – besonders wenn man ein sexualisiertes Image hat. Was macht das mit einem Kind, das einen so sieht? Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.“

Ungeschminkte Wahrheit. Pamela Anderson ist und bleibt ungeschminkt. Nicht nur bei ihren öffentlichen Auftritten, zu denen sie kein Make-up mehr trägt. Sie zeigt ihre entblößte Seele in diesem Film und in ihrem Leben. Die herausragenden Kritiken und die Nominierung als beste Dramadarstellerin bei den Golden Globes freut sie, aber sie beurteilt ihr Leben nicht nach öffentlichen Ehrungen. Hollywood sieht sie endlich in einem neuen Licht, aber was die Zukunft bringt, „überlasse ich dem Universum. Wir werden sehen, was passiert. Aber ich habe das Gefühl, dass dies erst der Anfang meiner Karriere ist. Als ich nach Kanada zurückzog, habe ich in Wahrheit aufgegeben, gedacht, ich werde wohl nie tun oder sein können, wozu ich eigentlich fähig bin. Ich dachte, ich habe es wirklich vermasselt und mich jahrelang für meine falschen Entscheidungen gegeißelt. Und dann bekam ich diese Rolle und dachte: Ich habe nichts zu verlieren. Das könnte der einzige Film sein, den ich je in meinem Leben mache, aber ich weiß, dass ich zu mehr fähig bin. Das hat mich angetrieben. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass ich gerade erst anfange, an der Oberfläche zu kratzen.“

© 2025 PANAREA Studios, Vienna. The House of CALL Magazine. 
Das Gespräch wurde erstmals im CALL Magazin 02/2025 veröffentlicht.

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Von Elisabeth Sereda US-Korrespondentin CALL
Elisabeth Sereda, Mitglied der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), ist US-Korrespondentin von CALL. Sie ist Mitglied des Board of Directors und der Jury, die jährlich die "Golden Globes" verleiht.
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