Alles kommt von unten: Warum gesunde Böden so wichtig sind

Gesunder Boden gilt als eines der am stärksten unterschätzten Themen der Nachhaltigkeitsdebatte. Dabei hängt unsere Ernährung direkt von seiner Qualität ab. Um das sichtbar zu machen, lud Ja! Natürlich zum Field Trip auf den Biohof Michaeler in Marchegg – dorthin, wo gesunde Böden keine Theorie, sondern tägliche Arbeit sind.

Laura Huber
4 Minuten Lesezeit
Die Ja! Natürlich-Geschäftsführer Andreas Steidl und Klaudia Atzmüller auf dem Biohof Michaeler in Marchegg (Foto: Ja! Natürlich)

Neunzig Prozent unserer Lebensmittel kommen aus dem Boden. Er speichert Wasser, bindet CO₂ und trägt ein komplexes Netz aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Gesunde Böden sind die Basis unserer Ernährung und eine der am meisten unterschätzten Ressourcen.

Seit Jahren setzt Österreichs Bio-Pionier Ja! Natürlich Initiativen, um die Bedeutung von Bodengesundheit und Biodiversität stärker in die Öffentlichkeit zu rücken. „Ohne lebendige Böden gibt es keine enkeltaugliche Zukunft – sie sind eine unserer wertvollsten Ressourcen“, betont Klaudia Atzmüller, Geschäftsführerin von Ja! Natürlich, in ihrem Vortrag, der den Auftakt des Field Trips bildet.

Doch der Druck auf die Böden wächst. Monokulturen, Überdüngung und chemisch-synthetische Mittelzerstören das fragile Gleichgewicht des Ökosystems, mit Folgen für Bestäuber, Vögel und Nützlinge. Was kurzfristig Erträge bringt, gefährdet langfristig unsere Ernährungssicherheit.

Die Produktion von Ja! Natürlichs Bestsellern – vom saisonalen Bio-Obst und -Gemüse bis zu pflanzlichen Drinks, Grill-Tofu oder Kürbiskernmisopaste – beruhen auf gesunden Böden. „Unterschiedliche Böden bedeuten unterschiedliche Herausforderungen und genau darin liegt die Stärke der Bio-Landwirtschaft“, erklärt Andreas Steidl, ebenfalls Geschäftsführer der Marke. Vielfalt sei hier der Schlüssel: Fruchtfolgen, Mischkulturen und der bewusste Verzicht auf Pestizide schaffen Lebensräume für Insekten, Bienen und Vögel und sichern die Fruchtbarkeit des Bodens auf natürliche Weise.

Ja! Natürlich zu Gast auf dem Biohof Michaelis (Foto: Ja! Natürlich)
Ja! Natürlich zu Gast auf dem Biohof Michaeler (Foto: Ja! Natürlich)

Innovation im Acker. Seit über zwanzig Jahren beliefert die Familie Michaeler die Marke Ja! Natürlich mit Bioprodukten. Der Hof in Marchegg, geführt von Gerhard Michaeler jun., wurde bereits 1997 vollständig auf biologische Landwirtschaft umgestellt, ein Schritt, der damals noch Pioniergeist erforderte. Heute ist der Betrieb ein Beispiel dafür, wie Wissen, Neugier und Leidenschaft den Wandel in derLandwirtschaft möglich machen.

„Ich habe immer wieder neue Kulturen ausprobiert, solche, die ins Klima und in die Fruchtfolge desWeinviertels passen“, erzählt Michaeler beim Rundgang. Inspiration fand die Familie auf einer Reise nach China, dem weltweit größten Produzenten von Süßkartoffeln. Nach ihrer Rückkehr beschlossen sie, das ungewöhnliche Gemüse auch in Marchegg anzubauen. Eine Herausforderung: Süßkartoffeln sind empfindlich, die Ernte erfolgt normalerweise per Hand, und selbst kleine Verletzungen an der dünnen Schale führen schnell zu Fäulnis oder Lagerverlusten. Das Ehepaar entwickelte deshalb eigens eine Erntemaschine, die die Knollen unversehrt aus der Erde hebt.

An diesem Vormittag sitzen die Gäste dicht aneinandergedrängt auf einem Anhänger, der langsam über die Feldwege rumpelt. Michaeler sitzt vorne in der Fahrerkabine, dreht sich immer wieder um, erklärt den Aufbau der Felder, den Wechsel der Kulturen, die Bedeutung der Fruchtfolge.

Gerhard Michaeler auf dem Acker seines Hofes in Marchegg (Foto: Ja! Natürlich)
Gerhard Michaeler auf dem Acker seines Hofes in Marchegg (Foto: Ja! Natürlich)

Am Süßkartoffelfeld angekommen, nimmt er den Spaten in die Hand. Ein einziger Stich genügt, um ein Dutzend kräftiger Knollen aus der Erde zu holen. „In nur einem Gramm fruchtbaren Boden leben Milliarden Mikroorganismen“, erzählt er. „Auf einem Hektar kommen so bis zu 15 Tonnen Bodenlebewesen zusammen – fast so viel wie das Gewicht von zwanzig Kühen.“

Christine Michaeler, die gemeinsam mit ihm den Betrieb führt, ergänzt: „Ungespritzt allein macht noch kein Bioprodukt“. Bio bedeutet, im Einklang mit dem Boden zu arbeiten, nicht gegen ihn.

Leben unter der Erde. Bevor es zurück zum Hof geht, hält der Traktor ein letztes Mal. Neben den Feldern befindet sich ein kleines Bodenlabor, das die Michaelers vor allem für Schulklassen gebaut haben. Hinter Glaswänden winden sich Regenwürmer durch feuchte Erde, daneben kleine Schautafeln. „Vielfalt im Anbau bedeutet auch Vielfalt im Bodenleben“, sagt Gerhard. „Regenwürmer, Mikroorganismen und Insekten sichern die Stabilität unserer Böden.“

Dauergast in gesunden Böden: der Regenwurm (Foto: Ja! Natürlich)
Dauergast in gesunden Böden: der Regenwurm (Foto: Ja! Natürlich)

Der Blick in dieses Mini-Ökosystem zeigt, was in Zahlen abstrakt klingt: dass fruchtbare Böden aktive Lebensräume sind, widerstandsfähig, wenn man sie lässt. Das Hochwasser im vergangenen Herbst hat in Österreich Schäden in Milliardenhöhe verursacht, ein erheblicher Teil davon in der Landwirtschaft. „Wenn Böden gesund sind – humusreich, biologisch aktiv und mit stabiler Struktur –, können sie Wasser deutlich besser aufnehmen und speichern“, erklärt Klaudia Atzmüller. „Dadurch tragen sie aktiv dazu bei, Hochwasserrisiken zu verringern und in Trockenzeiten länger Feuchtigkeit zu halten.“

Bio im Aufwind. Dass Bio kein Nischentrend mehr ist, zeigt sich auch im Handel: Die Bio-Umsätze bei BILLA wachsen mittlerweile mehr als doppelt so stark wie im konventionellen Bereich. „Die Menschen bleiben Bio treu und die Bedeutung steigt weiter“, sagt die Ja! Natürlich-Geschäftsführung. In den vergangenen zehn Jahren ist der Bio-Anteil im österreichischen Lebensmittelhandel um fast die Hälfte gewachsen.

Bio boomt in Österreich (Foto: Ja! Natürlich)
Bio boomt in Österreich (Foto: Ja! Natürlich)

Jeder Ja! Natürlich-Betrieb wird mindestens einmal jährlich kontrolliert; zusätzlich erfolgen Blatt- und Bodenanalysen vor Ort. Bio-Landwirtschaft verzichtet konsequent auf chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel und setzt stattdessen auf natürliche Methoden: Mist, Kompost und Nützlinge ersetzen Pestizide, fördern die Artenvielfalt und stärken die Struktur der Böden.

Vielfalt, die schmeckt. Zurück am Hof wird deutlich, dass Vielfalt nicht nur auf dem Feld wichtig ist. Kochbuchautorin und Kulinarik-Journalistin Katharina Seiser präsentiert ihren aktuellen Bestseller „30 Pflanzen pro Woche“. Die Idee: Vielfalt in der Ernährung stärkt das Mikrobiom und damit Gesundheit und Wohlbefinden.

„Dass pflanzliche Vielfalt schmeckt, ist nichts Neues. Aber die Mikrobiomforschung zeigt, dass viele verschiedene Pflanzen – Gemüse, Früchte, Kräuter, volles Korn, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Fermente – uns tatsächlich gesund und bei guter Laune halten“, erklärt Seiser. „Mein Motto lautet ‚Mehr vom Guten‘, und das geht einfacher, als man denkt.“

In einer kleinen Übung sollen die Gäste aufzählen, was sie am Vortag gegessen haben, und merken dabei schnell, wie viel Pflanzenvielfalt bereits auf ihren Tellern landet. Die Erkenntnis: Meist ist es mehr, als man denkt, und rund 30 verschiedene Pflanzen pro Woche sind durchaus erreichbar.

Vom Feld auf den Teller. Wie die Theorie schmeckt, zeigt Privatkoch Simon Kotjovis zum Abschluss des Tages. Mit Zutaten von Ja! Natürlich zaubert er ein Menü, das den Bogen vom Boden auf den Teller spannt: eine Paradeiser-Raritäten-Ceviche mit Fenchel-Gurkensalat und Edamame, gefolgt von Ofengemüse mit Linsencreme und einem Viererlei aus Pilz-Fisolengulasch. Zum Dessert gibt es Joghurt-Frischkäsecreme mit Walnusscrumble und Zwetschkenröster.

Simon Kotjovis kocht für uns (Foto: Ja! Natürlich)
Simon Kotjovis kocht für uns (Foto: Ja! Natürlich)

Bevor sich die Gäste auf den Heimweg machen, wartet ein Tisch mit saisonalem Obst und Gemüse – zum Mitnehmen, Teilen, Weitergeben. Ein Symbol dafür, worum es an diesem Tag ging: Biologische Landwirtschaft schützt unsere Böden, fördert die Vielfalt und sichert unsere Ernährung, gesunder Boden ist die Grundlage von allem.

© 2025 PANAREA Studios, Vienna. The House of CALL Magazine. 

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