Der Trend-Experte 2026: Jürgen Bess
Jürgen Bess ist Geschäftsführer des Gasteinertal Tourismus, einer der größten Tourismusregionen Österreichs mit 2,5 Mio. Nächtigungen pro Jahr.

Das Wintererlebnis wird vielfältiger und differenzierter, nicht nur im Gasteinertal. Gäste wollen nicht mehr nur klassische Skitage, sondern eine Kombination aus Bewegung, Ruhe, Kulinarik, Wellness und gut geführten Tagesstrukturen. Die Entwicklung zeigt, dass vielseitigere Angebote – auch abseits der Piste – stärker gefragt sind. Zugleich entscheiden Gäste bewusster, wofür sie sich Zeit nehmen. Was bedeutet dieser Wandel?

Der Skitag bleibt zentral, aber sein Aufbau verändert sich. Attraktionen wie die Infinity Loop, die zusammenhängende Skirunde über Schlossalm und Stubnerkogel, zeigen, wie vielseitig ein Berggebiet genutzt werden kann. Die Nord, die längste Talabfahrt der Region, zieht sich als durchgehende Strecke ins Gasteiner Becken und hilft Gästen, ihr eigenes Tempo und Niveau gut einzuschätzen. Dazu kommt die Speedline 100, eine 100 Meter lange Schussstrecke mit Geschwindigkeitsmessung und Zielfoto, ein Feature, das vielen Spaß macht und Wettbewerbsgeist in den Skitag bringt. Aus Sicht der Region entsteht dadurch kein komplexerer, sondern ein übersichtlicherer Skitag. Es geht um Orientierung, besonders für Gruppen und Familien, die ihren Tag gemeinsam planen möchten.

Abseits der Pisten. Winterwandern hat sich in Gastein zu einem eigenständigen Erlebnis entwickelt. Die nun auch im Winter nutzbare Wanderschaukel ermöglicht es, den Berg auch ohne Ski zu erleben, mit weiten Blicken abseits der Pisten. Hinzu kommt das Early Winter Mountaincart in Dorfgastein. Die Gäste fahren früh morgens, noch bevor der Skibetrieb startet, auf einer gesicherten Strecke mit Carts ins Tal. Das schafft einen spielerischen Einstieg in den Tag und ein Gefühl, wie bei Mario Kart am Steuer zu sitzen.

Kulinarik im Wintertourismus. Kulinarik spielt heute eine wesentlich größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Viele Gäste wollen genau nachvollziehen, woher die Produkte stammen und wie ein Restaurant geführt wird. Das neue Bergrestaurant Hirsch und Maus ist dafür ein gutes Beispiel, es vereint Regionalität mit moderner Alpenküche. Für Gäste ist neben den perfekten Skipisten auch der kulinarische Einkehrschwung ein wichtiger Wohlfühlfaktor; er trägt inzwischen stark zur Identität einer Region bei. Angebote wie das Gipfelfrühstück in Sportgastein oder die Skihauben, bei denen ausgewählte Hütten Gerichte namhafter Haubenköche servieren, sind für viele Gäste Highlights ihres Aufenthalts.

Was die Infrastruktur über die Zukunft verrät. Neu sind vor allem die modernisierten Bahnhöfe im gesamten Tal, die nun barrierefrei sind und eine bessere Orientierung bieten. Mit dem neuen Stundentakt im Fernverkehr wird Gastein noch leichter erreichbar und in Bad Gastein ist man mit wenigen Schritten sowohl bei der Therme als auch bei der Stubnerkogelbahn. Ski & Therme, die Kombination, die Gastein seit Jahrzehnten ausmacht.Gleichzeitig erweitern wir den Einsatz von Photovoltaik, was den Energieverbrauch am Berg spürbar reduziert. Tradition spielt in einer modernen Wintersaison eine zentrale Rolle. Der Perchtenlauf gehört zu den Besonderheiten des Tals, anerkannt als immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Er findet nur alle vier Jahre statt und zieht Anfang Jänner durch die Orte. Viele Gäste sehen diesen Brauch zum ersten Mal und bekommen einen Eindruck davon, wie stark Kultur und Gemeinschaft in Gastein verankert sind. In Zukunft wird es vor allem darauf ankommen, den Winter so zu gestalten, dass er für unterschiedliche Bedürfnisse funktioniert, egal ob Gäste einen sportlichen Tag planen oder Ruhe suchen. Das Gasteinertal hat hier das perfekte Angebot.



